Kapseln !

Geliebt oder verhasst ? Heute wenden wir uns dem wichtigen Thema Kapseln zu !

Kapseln haben einige Vorteile:

  • gut lagerbar und lange Haltbarkeit
  • Überdeckung von unangenehmen Geschmack und Geruch
  • exakte Dosierung durch definierte Wirksoffmenge
  • durch Gestaltung der Hülle – hoher Wiedererkennungswert eines bestimmten Medikaments (möglich)
  • rasche und einfach Einnahme

Doch zuerst die Definition: Kapseln werden als feste, einzeldosierte Arzneiformen von unterschiedlicher Größe und Form definiert. Außerdem können ihre Hüllen hart oder weich sein. In den meisten Fällen sind Kapseln für die orale Anwendung bestimmt.
Siehe Monographie Ph. Eur.

Das Arzneibuch unterscheidet:
– Hartkapseln
– Weichkapseln
– Kapseln mit veränderter Wirkstofffreigabe
– magensaftresistente Kapseln
– Oblatenkapseln (obsolet = veraltet)

Applikationsarten

Auch wenn die meisten Kapseln oral eingenommen werden, gibt es noch weitere Arten der Applikation. Kapseln können als Rektal- oder Vaginalkapseln, wer hätte das gedacht, auch rektal oder vaginal angewendet werden. Diese Kapseln unterscheiden sich in Form und Größe von Peroralkapseln, außerdem werden sie im Arzneibuch unter den Zubereitungen zur rektalen bzw. vaginalen Anwendung geführt.
Desweiteren gibt es auch Zerbeißkapseln – Nach zerbeißen der Kapsel verteilt sich der Inhalt im Mund und der Wirkstoff wird über die Mundschleimhaut resorbiert.
Ein weiterer interessanter Fall sind „Inhalationskapseln“. Hier wird der Kapselinhalt mit Hilfe eines Medizinprodukts „eingeatmet“.

Kapselinhalt

Die Konsistenz des Kapselinhalts kann fest, flüssig oder pastenartig sein.
Wichtig ist hier darauf zu achten, dass der Inhalt nicht die Kapselhülle angreift !
Die Möglichkeiten sind hier aber sehr vielfältig ! Pulver, Granulate, Lösungen, etc.
Selbst Kapseln in Kapseln gibt es – wenn auch selten…
Und auch Kombinationen zwischen den verschiedenen Füllmitteln sind möglich.

Hilfsstoffe des Kapselinhalts sind zum Beispiel ein fester Füllstoff, ein öliges Lösungsmittel oder natürlich auch Fließverbesserer.

Kapselhüllen – Capsularum involucra

Lerrkapseln – Enveloppes de gélules (franz.) – Empty Capsules (engl.)

Kapselhüllen bestehen aus zwei vorgefertigten zylindrischen Teilen, welche jeweils an einem Ende offen und am anderen Ende mit einem halbkugelförmigen Boden abgeschlossen sind. So lautet zumindest die offizielle Definition. Ich kann mir zwar selbst nicht vorstellen, dass das auf alle Kapselhüllen 100% zutrifft ( erster Gedanke: Weichgelatine-Kapsel hergestellt durch „Tropf-Verfahren“), aber gut ! Ist immer schwierig Definitionen zu finden.
Einfache 0815-Kapseln sind nicht mit speziellen Hilfstoffen oder nach besonderen Verfahren hergestellt worden damit Freisetzungsgeschwindigkeit, er Zeitpunkt oder der Ort der Freisetzung des Wirkstoffs/ der Wirkstoffe gezielt verändert wird.

Die meisten Kapseln bestehen vorallem aus Gelatine. Wobei es inzwischen Allternativen aus Hypromellose(bzw. Hydroxidpropylmethylcellulose, HPMC), einem Cellulose-Derivat, gibt. Cellulose-Kapseln sind natürlich in der Regel vegan und damit auch hallal. Oblatenkapseln bestehen aber natürlich nicht aus Gelatine – hier ist das Material ganz klar die Oblate / Stärke. Diese sind heutzutage aber eher unüblich bis sogar obsolet.
Hilfsstoffe der Kapselhülle sind Galatine, Weichmacher (z.B Glycerol, Sorbitol), Tenside, Farbstoffe, Pigmente, Geschmackskorrigenzien, evtl. Süßstoff und Konservierungsmittel.

Die Gelatine

Gelatine ist ein Eiweiß tierischen Ursprungs. Ausgangsmaterial dafür sind meist Abfälle der der Fleischindustrie. Sie besteht im Grunde aus Schweineschwarten, Knochen, Knorpel & Häuten von Rind, Schwein, Fisch oder Geflügel.
Aus ihnen wird Kollagen ( = Gerüsteiweiß) gewonnen und zu kürzeren Eiweißketten abgebaut. Danach werden noch mehrere Reinigungsprozesse durchgeführt.
Gelatine hat hygroskopische ( = luftfeuchtigkeitsbindende/-ziehende) Eigenschaften. Außerdem quilt sie in Wasser und ist in Wärme sogar löslich.

Wie gesagt gibt es inzwischen auch alternative Kapseln die aus Cellulose gewonnen werden können. Wird nicht darauf geachtet, handelt es sich im Normalfall um Gelatine. Das liegt daran, dass leider die Herstellung solcher „Celluslosekapseln“ meist aufwendiger und somit auch teurer ist.
Es gibt aber inzwischen Apotheken die sich darauf langsam spezialisieren – diese findet man aber eher in Großstadten mit etwas Glück.

Während Gelatinekapseln schön glänzen, sind „Cellulose-Kapseln“ eher matt. Daran könnt ihr optisch am besten feststellen ob ich eine Hülle tierischen oder pflanzlichen Ursprungs in den Händen habt.

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