Stoffabgabe in der Apotheke

Ein Kunde kommt zu euch in die Apotheke und verlangt nun nach 500 ml Aceton?
Was macht ihr ? Dürft ihr das abgeben?

Bei der Abgabe von solchen Stoffen muss man einiges beachten. Handelt es sich um einen Gefahrenstoff ? Liegt ein Abgabeverbot vor ? Und… und… und…

In diesem Blog-Artikel möchten wir bereden, worauf ihr alles achten müsst und was zu beachten ist !
Wir sprechen dies nach dem Prinzip von CHECK-DO-INFO-DOKU durch !

CHECK

Um zu entscheiden ob wir dem Kunden seinen Wunsch erfüllen können, müssen wir erst Informationen sammeln.

  • Wir müssen Alter unseres Kunden raus finden. Dieser muss mindestens 18 Jahre alt sein.
  • Der Verwendungszweck muss bekannt und nachvollziehbar sein. Wenn ihr das Gefühl habt, der Kunde ist nicht Ehrlich zu euch, reicht das aus um die Abgabe zu verweigern. Wenn ihr euch unsicher seid, spricht gerade als frischgebackene PTAs ruhig einen Approbierten oder auch euren Apothekenleiter unbedingt an ! Sie helfen euch bestimmt gerne weiter.
  • Ihr müsst feststellen, ob die Möglichkeit besteht, dass der abgegebene Stoff illegal weiterverkauft wird.
  • Und natürlich ! Ob ein Abgabeverbot für den gewünschten Stoff vorliegt.
    • Bei Folgendem darf der Stoff nicht abgegeben werden:
      • Kategorie 1 a/b CMR-Stoff ( siehe Gefahrenstoffverordung)
      • Kategorie 1 Grundstoffüberwachungsgesetz (GÜG)
      • sonstige Abgabeverbote ( Chemikalienverbotverordnung)

CMR-Stoffe

Definiert sind Gefahrstoffe als Stoffe oder Gemische, die bei der Herstellung, Verwendung oder Kontakt eine schädliche Wirkung für Mensch und Umwelt darstellen können.
Wenn bestimmte Arzneimittel/Stoffe Auswirkungen oder Folgen beim Menschen zeigen, wird sowas früher oder später bekannt und natürlich auch Dokumentiert. Dies führt dazu, dass wir heute glücklicher Weise Informationen zu vielen Stoffen, so wie auch ihren Gefahren haben. Und dieses Wissen sollten wir einsetzten um Personen vor möglichen Folgen zu bewahren.

Dazu trägt auch die Kennzeichnung von CMR-Stoffen durch Vorschriften der Gefahrenstoffverordnung bei !

CMR ist ein Akronym, und setzt sich folgender maßen zusammen:

  • C = steht für cancerogen, karzinogen = Krebserregend
    Diese Stoffe können oder stehen im Verdacht Krebs auszulösen.
  • M= steht für mutagen = erbgutschädigend, -verändernd
    Mutagene Stoffe regen Mutationen an. Das bedeutet das Erbgut (= DNA/ DNS ) wird Dauerhaft verändert.
  • R = steht für reproduktionstoxisch
    Reproduktionstoxisch bedeutet der Stoff gefährdet die Fortpflanzung. Hier wird nochmal unterschieden zwischen:
    • Re = embryotoxisch = tetratogen = fruschtschädigend
      Hier wird der Embryo geschädigt. Es kommt hier Beispielhaft zu Fehlbildungen.
    • Rf = fortpflanzungsgefährlich
      Das bedeutet es kann zur Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigheit (Fruchtbarkeit) bei Mann und Frau kommen. Somit sind die Eizellen und Spermien betroffen !

Wird einem Stoff, eine der oben genannten Gefahren zugeordnet , wird noch einmal in drei Kategorien eingeteilt.

  • Kat. 1a :
    Der Stoff ist nachgewiesenermaßen krebserregend/erbgutschädigend/reproduktionstoxisch.
    Die Studienlage ist hier ganz klar ! Diese Stoffe dürfen nicht abgegeben werden! Es besteht ein absolutes Abggabeverbot !
  • Kat. 1b :
    Hier bestehen genügend Gründe, dass der Stoff wahrscheinlich krebserregend/ erbgutschädigend/reproduktionstoxisch ist. Dieser Verdacht wurde hier noch nicht ganz bestätigt. Für diese Stoffe gilt ebenfalls ein absolutes Abgabeverbot.
  • Kat. 2:
    Bei diesen Stoffen besteht Anlass zur Besorgnis, dass der Stoff krebserrregend/erbgutschädigend/reproduktiontoxisch ist. Zu diesem Anlass kommt durch beobachtete Einzellfälle im Zusammenhand mit dem Stoff. Hier ist die Studienlage also nicht klar !

Grundstoffüberwachungsgesetzt (GÜG)

GÜG hat die Aufgabe der Überwachung des Verkehrs mit Grundstoffen, die für die unerlaubte Drogenherstellung verwendet werden. Ergo möchte dieses Gesetzt verhindern, dass illegal Betäubungsmittel zum Missbrauch hergestellt werden. Grundsätzlich gilt hier, dass bei Verdacht auf illegale Drogenherstellung eine Abgabe verboten ist und eine Meldung an das Bundeskriminalamt oder Polizei erfolgen sollte !
Daher unterliegen Stoffe, die es betrifft strengen Abgabevorschriften.

Diese Stoffe werden ebenfalls in drei Kategorien eingeteilt:

Kategorie 1:
Zu Kat. 1 gehören Stoffe, die direkt als Ausgangstoffe für Drogen verwendet werden können. Handelt es sich um solch eine Substanz, ist die Abgabe in der Regel nicht erlaubt ! Ausnahmen werden gemacht, wenn ein Erlaubnisschein der Bundesopiumstelle (BOPST (gehört zu BfArM) ) vor liegt. Nur in diesem Fall darf eine Abgabe erfolgen.
Allerdings wenn eine Apotheke diesen Stoff beim Großhandel bestellt, benötigt sie keinen Erlaubnisschein.
Kommt es zur Abgabe eines solchen Stoffes, muss unbedingt Dokumentiert werden ( auf die Dokumentation gehen wir später näher ein). Es muss eine Endverbrauchserklärung, kurz EVE, ausgefüllt werden !

Kategorie 2:
Stoffe, die zur Derivatisierung (=Umwandlung) von Ausgangsstoffen für eine Drogenherstellung gebraucht werden, werden dieser Kategorie zugeordnet. Hier ist eine Abgabe in bestimmten Mengen erlaubt. Auch hier muss in der EVE dokumentiert werden !

Kategorie 3:
Für Kategorie ist die Abgabe in der Regel erlaubt. Natürlich nur wenn kein Grund zu Misstrauen besteht !
Stoffe dieser Kategorie sind Substanzen, die für die Reaktion der Drogen-Gewinnung nötig sind. Diese können zum Beispiel Lösemittel, pH-Korrigenzien oder Katalysatoren sein.
Hier ist keine spezielle Dokumentation nötig.

Kategorie123
BeispielLysergsäure (für LSD)
Morphin (für Heroin)
Ephedrin ( Für Amphetamin oder Metamphetamin)
Kaliumpermanganat
Essigsäureanhydrid
Anthranilsäure
Konzentrierte Schefelsäure,
Salzsäure, Aceton
Abgabenicht erlaubtin bestimmten Mengen erlaubterlaubt
Dokumentation
(EVE) notwendig ?
JaJaNein
kleine Übersicht

Chemikalienverbotsverordnung (ChemVerbotsV)

Die ChemVerbotsV regelt über Verbote und Beschränkungen die Inverkehrbringung bestimmter Stoffe, Gemische und Erzeugnisse.

Bei Stoffen mit folgenden Piktogrammen gelten besondere Anforderungen bzw. Abgabebeschränkungen:

Für GHS02, GHS03 und GHS08 gilt dies allerdings nur in Verbindung mit bestimmten H-Sätzen (=Gefahrenhinweisen).

GHS08 darf in Kombination mit folgenden H-Sätzen nicht abgegeben werden:
H340; H350; H350i; H360; H360F; H360D; H360FD; H360Fd; H360Df; H370 oder H372

Das heißt Stoffe mit den H-Sätzen H340, H350; H360, H370 & H372 ( und eventl. Buchstaben) dürfen nicht abgegeben werden. Sie gehören übrigens zu den CMR-Stoffen der Kat. 1A und 1B.

Diese Gefahrenstoffe dürfen nicht in die Freiwahl !

Ausnahmen sind Klebstoffe, Experimentier-Kästen, Heizöl, Diesel,etc. ( Für die Apotheke eher nicht relevant.)

Die Chemikalienverbotsverordnung liefert uns Antworten auf folgende Fragen:

Wer ist darf Gefahrenstoffe in der Apotheke abgeben ?
Abgabeberechtigte von Gefahrstoffen werden in §11 der ChemVerbotsV bestimmt.
Gefahrenstoffe dürfen nur durch Sachkundiges Personal abgegeben werden. Diese Sachkunde besitzen Apotheker und PTA durch ihre Ausbildung. Seid kurzem sind allerdings neuste Regelungen zu beachten. Nach ihnen muss die Sachkunde alle 6 Jahre erneuert werden.
Zudem muss der Abzugebende mindestens 18 Jahre alt sein und zudem zuverlässig sein ( dies wird mit Hilfe des Polizeilichem Führungszeugnisses geprüft)

An wen dürfen Gefahrenstoffe abgeben werden ?
Auch der Kunde muss in diesem Fall mindestens 18 Jahre alt sein um als Empfangsberechtigter zu gelten. Der Verwendungszweck muss bekannt und erlaubt sein. Zudem dürfen keine Hinweise auf unerlaubten Weiterverkauf vorliegen.

Wie erfolgt die Unterweisung des Kunden ?
Der Kunde muss selbstverständlich informiert werden. Dies Erfolgt im Rahmen einer mündlichen Unterweisung. Die Inhalte einer solchen Unterweisung sind:

  • Vorsichtsmaßnahmen
  • Lagerung
  • Gefahrenhinweise
  • Entsorgung
  • Erste-Hilfe-Maßnahmen

Für GHS06 und GHS08 gelten weitere Bestimmungen. Hier muss eine schriftliche Gebrauchsanweisung mitgegeben werden. Zudem wird auch dokumentiert – Das heißt Ausweis kopieren und Eintrag in Empfangs- und Abgabebuch !

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