Fragen an einen Apotheker

Der Artikel zum Podcast

Im Sommer absolvierte ich ein freiwilliges Praktikum in der Engel Apotheke in Freiburg.
Nach zwei Wochen blieben noch ein paar Fragen offen, die mir der Apotheker Herr Dr. E. Meyer freundlicher Weise beantworten konnte.

Hier nun das Interview in schriftlicher Form, viel Spaß beim Lesen…

Herr Dr. Meyer, warum sind Sie Apotheker geworden?
In der Schule machten mir Chemie und Bio viel Spaß, ein kommunikativer Mensch bin ich seit jeher. Ich war zum Beispiel viel in der Jugendarbeit tätig. Mein Vater hatte eine Apotheke… da ergibt eines das andere.
Der Traumberuf damals: Photografie. Aber alle rieten mir davon ab, es hatte einfach keine Perspektive.

Herr Meyer freut sich den pharmazeutischen Weg gewählt zu haben.

Was ist das häufigste Anliegen Ihrer Kunden?
Die Engel Apotheke ist eine sehr bunte Apotheke, das heißt es gibt nicht DAS häufigste Anliegen. Die Leute kommen mit ganz unterschiedlichen Dingen, wie ein bunter Blumenstrauß. Spannend ist, dass man nie weiß was einen erwartet, wenn ein Kunde die Apotheke betritt. Der Wunsch kann sehr ausgefallen sein, zum Beispiel Rezepturen oder auch alles was mit dem Thema Schwangerschaft und Stilllzeit zu tun hat, oder einfach eine Packung Traubenzucker.

Was für Dr. Meyer mit das wichtigste ist: Man muss sich schnell auf etwas einstellen. Eventuell werden Fragen und Probleme gestellt, von denen man noch nie zuvor gehört hat. So freut sich Herr Meyer auf jede neue Herausvorderung.

Wie hat sich Ihre Apotheke entwickelt bzw. was hat sich im Laufe der Zeit verändert? 
Rein äußerlich wurde natürlich umgebaut und sich an neue Gegebenheiten angepasst, an die Apotheke 2000. Mein Vater hat damals mit drei Mitarbeitern gearbeitet, heute sind es 15-16 Mitarbeiter. Administrative Aufgaben nehmen heute dabei viel Zeit und Kosten in Kauf.

Krankenkassen waren früher sicherlich ein Partner im Gesundheitswesenwesen, heute sind sie, neben dem Gesetzgeber mit ihren vielen Vorgaben oft ein Stolperstein. Probleme bereiten auch Internet- und Versandapotheken, die den Markt total umgekrempelt haben. Heute ist nur noch ein Arzt in unmittelbarer Nähe ansässig, im Vergleich zu früher waren es damals sechs Ärzte in der Umgebung. Es hat sich also alles von Grund auf geändert. Unsere Aufgabe war und ist es, ein einzigartiges Profil zu entwickeln, was die Leute zu uns bringt.

Er vergleicht die Apotheken mit einem Stuhl, der viele Beine zum Stehen braucht. Bricht ein Teil weg, kippt er. So muss auch die Apotheke viele Beine haben die täglich überwacht und reflektiert werden.

Die Weiterentwickelung ist das A&O und man muss nach den Bedürfnissen von morgen Ausschau halten, um auf dem heutigen Markt zu überleben.

Wie unterschiedet sich Ihre Apotheke von den anderen Apotheken?
Wichtig ist, mit den Kunden und ihren Fragen und Wünschen zusammen zu wachsen. Prävention und Therapiebegleitung trägt das Team der Engel Apotheke im Herzen, das nehmen wir sehr ernst. 
Für diese Bereiche, sowohl Prävention, als auch Therapiebegleitung gibt es viele Schubladen. Nicht nur die Schulmedizin, auch naturheilkundliche, ganzheitliche Optionen. Es wird immer geguckt, wo sich der Patient befindet und wo man ihn abholen kann. 

Netzwerkarbeit ist unerlässlich, also die Zusammenarbeit mit anderen Therapeuten und Fachgruppen. Dem Patienten wollen wir möglichst ganzheitlich begegnen. Dabei sind viele Dienstleistungen sehr aufwändig und für die meisten Apotheken unattraktiv. Teemischungen, Rezepturen, das ist eine große Herausforderung für das ganze Team. Wichtig ist, Herzblut mit einzubringen.

Ein großes DANKE von Dr. Meyer an seine Mitarbeiter! So werden für viele Kunden Lücken gefüllt.

Warum arbeiten Sie mit TCM? (=Traditionell Chinesische Medizin)
Es ist eine spannende Ergänzung zur Schulmedizin, da es eine komplett andere Sichweise auf Krankheit und Gesundheit eröffnet. Diagnose und Therapie folgen total anderen Ansätzen. Wenn man sich mit einem Patienten auf TCM-Weise auseinandersetzt, benötigt man ganz andere Parameter als in der westlichen Medizin. TCM stellt ganz andere Fragen und gibt ganz andere Antworten. Diese Heilkunst ist viele Tausend Jahre jung und entwickelt sich trotzdem noch weiter. Alles Dinge, die die Schulmedizin hier nicht bieten kann. Also eine tolle Ergänzung, die man den Patienten mit auf den Weg geben kann. Zusammen mit der Schulmedizin, demnach kein Ausschluss, da sie parallel angewendet werden können.

Es ist ein Geschenk mit TCM-Therapeuten zusammen zu arbeiten findet Herr Meyer, weil sie ihm immer wieder einen Blick geben, wie er ihn vorher nicht hatte. Der Nachteil ist natürlich, dass man auf Therapeuten angewiesen ist. Selber kann man nicht therapieren. TCM ist etwas Individuelles, für dessen Anwendung es eine langjährige Ausbildung bedarf. 

Manche meinen, CBD Produkte sind im Kommen, was halten Sie davon? Bieten Sie auch CBD Produkte an?CBD spielt eine immer größere Rolle, es kommt immer häufiger die Frage: „Haben sie CBD?“. Bald gibt es immer mehr CBD Produkte. Der Markt wächst rasant. Wohin das führt, wissen wir nicht. Es gibt spannende Hinweise auf pharmakologische Effekte, es wurden schon Studien durchgeführt, meines Wissens zur Behandlung von Epillepsie. Weitere Studien sind sicherlich momentan schon im Gange, da muss man die Ergebnisse abwarten. Problem ist häufig, dass die Finanzierung der Studien schwierig ist. Therapeutisch gibt es viele Möglichkeiten, wo Handlungsbedarf ist, vielleicht, wenn man bei psychischen Beschwerden, Spannungs- und Angstzuständen, krampfartigen Geschichten ansetzt.

Also zwischen Psyche und Physe gibt es wohl viel Platz für CBD. Die Engel Apotheke setzt es gern ein und sie machen gerne Versuche, wobei sie sich über Rückmeldungen freuen. 

Thema „Rund um die Frau“
Sie arbeiten mit der Gynäkologin Frau Dr. Heide Fischer zusammen und stellen die Rezepturen her.
Wie kam es zu dieser Kooperation? 

Apothekenarbeit ist Netzwerkarbeit. An diesem schwierigen Standort sind wir angewiesen auf die Kooperation mit anderen Therapeuten. Wir müssen uns einen Namen machen und einen Ruf schaffen. Mit Phytotherapie, Naturheilkunde haben wir schon viel Erfahrung und einen guten Namen. Frau Fischer kenne ich schon viele Jahre, wir zehren beide von unserem Austausch, wir von ihrem therapeutischen Schatz und sie von unserer technologischen Erfahrung. Die Kunden fragen häufig nach den Produkten.

Fallbeispiel:
Frau Musterfrau, 46 Jahre alt, kommt in die Apotheke und klagt über ein brennendes Gefühl im Intimbereich. Sie beschreibt ihren Ausfluss als leicht bröckelig und fragt nach einer Empfehlung. 

Wie gehen Sie vor?
Die wichtigste Frage, wenn eine Person herein kommt: Stimmt die Diagnose überhaupt? Ist es eine bakterielle Entzündung, ein Pilz, Virus, Herpes…?
Dann sollte weiter nachgefragt werden, z.B. über den Geruch. Ist es geruchsfrei oder hat es eine geruchliche Komponente? Ist es akut oder chronisch? Mögliche Ursachen müssen abgeklärt werden, evtl. wurde ein Antibiotikum eingenommen? Gibt es weitere Baustellen, die vielleicht sogar zusammenhängen?
Nicht nur auf Grund der Informationen, sondern auch um Zeit zu gewinnen für die eigenen Gedanken empfiehlt sich die Frage, was die Patientin schon für therapeutische Erfahrungen gemacht hat, was hat bisher geholfen? Darüber hinaus ist es wichtig zu gucken, was wünscht der Patient überhaupt? 

Last but not least, die Aufgabe der Apotheke ist es Sicherheit und damit ein Zeitfenster zu geben. Den Patienten also zu begleiten, den Weg gemeinsam zu gehen und ihn ggf. zum Arzt zu schicken.

Dr. Egbert Meyer, Apotheker

Danke für das tolle Interview Herr Meyer, es war mir eine Freude. Elena

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