Die Rolle des Wassers in der Pharmazie

In der Pharmazie ist Wasser nicht gleich immer Wasser. Wasser muss für pharmazeutische Zwecke hoche Anforderungen haben ! Die Qualität des Wassers bzw. die Qualitätsanforderungen sind auch davon abhängig, welche Arzneiform hergestellt werden muss.
Ich glaube es ist klar, dass Wasser für Infusionen ganz andere Anforderungen hat als Wasser für einen Saft.

Die wichtigsten Unterscheidungen der Arzneibuchs sind für uns wohl :

  • Aqua purificata = gereinigtes Wasser
  • Aqua ad iniectabilia = Wasser für Injektionszwecke

Weitere Unterscheidungen der Arzneibuchs sind ( sind für uns aber in der Regel weniger wichtig ):

  • Aqua valde purificata = hochgereinigtes Wasser
  • Aqua ad extracta praeparada = Wasser zur Herstellung von Extrakten
  • Aqua ad dilutionem solutionum concentratarum ad haemodialysem = Wasser zum Verdünnen konzentrierter Hämodialyselösungen

Wasser als ausgezeichnetes Lösungsmittel

Bevor aber weiter auf unsere Wässer eingehen, machen wir einen kleinen Abstecher in die Chemie und klären hier was Wasser zu einen hervorragenden Lösungsmittel macht.
Dafür betrachten wir zunächst einmal das Wassermolekül. Unser Wassermolekül besteht aus einem Sauerstoffatom und zwei Wasserstoffatomen links und rechts. Die Form des Moleküls erinnert ein wenig an einen Boomerang, da es einen Bindungswinkel von 105° besitzt. Aufgrund dieses Bindungswinkels und der großen Elektronegativität des Sauerstoffes ist das Wassermolekül ladungsmäßig unausgewogen. Das heißt es hat eine Seite mit einer negativen und eine Seite mit einer positiven Teilladung. Die Seite des Sauerstoffs ist negativ geladen und die Seite der Wasserstoffatome ist positiv geladen. Wobei zu erwähnen ist das sich die beiden Partialladungen aufheben ! – Das Wassermolekül ist somit nach außen hin weder positiv noch negativ. Das Molekül besitzt nur unterschiedlich geladene Enden.
Das macht das Molekül zu einem Dipol. Da sich gleichnamige Ladungen abstoßen und unterschiedliche anziehen, ordnen sich die Wassermoleküle folgernder massen an:

Die positive Seite wendet sich der negativen Seite eines weiteren benachbarten Wassermoleküls zu oder auch umgekehrt. Und das geschieht mit allen weiteren benachbarten Wassermolekülen, . auf diese Weise ordnen sich die Wassermoleküle zu Assoziaten (=Verbänden) an. Der Zusammenhalt solcher Verbände ist so groß, dass sie sich tatsächlich wie ein Teilchen verhalten.

Die Bindungen zwischen den einzelnen Wasserteilchen werden als Wasserstoff-Brücken bezeichnet.
Die Wasserstoff-Brückenbindung ist eine besondere Form der Dipol-Dipol-Wechselwirkung. Diese „Verbindung“ tritt nur auf, wenn Moleküle vorliegen, die eine Atombindung zwischen Stickstoff, Flour oder Sauerstoff und Wasserstoff beinhalten – so wie auch bei unserem Wasser.
Vor allem für die Eigenschaften des Wassers (z.B. Oberflächenspannung) sind diese Wechselwirkungen wichtig !
Im festen Aggregatzustand (also Eis) ist die Anzahl der Wasserstoff-Brücken größer als im flüssigen, im gasförmigen Zustand ( Wasserdampf) sind sogar gar keine vorhanden !

Anordnung von Wassermolekülen
Dielektrizitätskonstante

Betrachten wir zunächst mal die Bindungskräfte in Kristallgittern von Feststoffen. Diese beruhen auf elektrostatischer Anziehung von ungleichnamigen Ladungen oder auch Teilladungen.
Im Raum wirken dann zwischen positiven und negativen Ladungen auf geladene Teilchen ein, dies wird auch als elektrisches Feld bezeichnet.

Je größer die beiden Ladungen und je kleiner ihr Abstand von einander ist, desto größer sind die Kräfte im eletrischem Feld.

Bringen wir Wassermoleküle in ein elektrisches Feld , so werden diese nicht in Richtung des Feldes bewegt. Das liegt eben daran, dass sie nach außen hin ungeladen sind.
Allerdings haben sie ja, wie wir wissen, einen Dipolcharakter – dadurch richten die sich auf eine bestimmte Weise aus: Das negativ geladene Ende richtet sich zum Pluspol aus, und das positive Ende zeigt zum Minuspol.

Die umgekehrte Polung der Wassermoleküle bewirkt, dass das elektrische Feld abgeschwächt wird und und sich die Kräfte zum größten Teil aufheben.
Somit ist die Dielektrizitätskonstante ein Maß für die Verringerung der Anziehungskräfte. Der Wert für Wasser ist übrigens 81. Diese Zahl bedeutet , dass sich die Anziehungskräfte in Wasser zwischen den zwei Ladungen auf 1/81 reduzieren.

Der Lösungsvorgang im Wasser

Wir wollen jetzt ein Salz (z.B. NaCl) in Wasser lösen. Nun ist es so, dass in polaren Lösungsmitteln, wie eben unser Wasser, zuerst die Gitterstruktur unseres Salzes zerstört wird und die einzelnen Ionen liegen hydratisiert vor.

Das bedeutet die einzelnen Ionen werden von den Wassermolekülen aus ihrer Gitterstruktur „raus gezogen“ indem sich die Wassermoleküle um das Anion oder Kation legen. Dabei wendet sich der negativ geladene Teil eines Wassermoleküls sich einem Kation (positiv geladen) zu, oder eben der positiv geladene Teil des Moleküls wendet sich einem Anion (negativ geladen) zu. Und so lagern sich die Wassermoleküle nebeneinander um das ganze Ion an und lösen damit die Ionen aus der Kristallstruktur.
Was hier entstanden ist nennt man Hydrathülle – deshalb reden wir auch von hydratisierten Ionen.

Hydrathüllen

Trinkwasserqualität

Ausgangsprodukt für unsere Wässer ist unser gewöhnliches Trinkwasser. Und Trinkwasser wird aus dem Ausgangstoff Wasser gewonnen. Etwas verwirrend, das gebe ich zu. Ich spreche hier von unbearbeiteten Wasser, so wie man es in der Natur finden würde.
Diese Wasser enthält noch lösliche und partikuläre Verunreinigungen. Zu löslichen Verunreinigungen zählen zum einen Mineralsalze, organische Verbindungen aus dem Stoffwechsel und abgestorbenen Zellmaterial von Organismen und auch Gase, wie zum Beispiel CO2.
Partikuläre Verunreinigungen wären Partikel aus anorganischem Material oder auch Partikel aus organischem Material, wie abgestorbenes Zellmaterial oder vermehrungsfähige Organismen (z.B.Keime).
Wasser wird natürlich „gereinigt“ um das für uns trinkfähige Wasser aus der Leitung zu gerinnen.

Doch unser Trinkwasser beinhaltet immer noch Verunreinigungen. Doch längst nicht mehr so viele. Um die Qualität unseres Trinkwassers zu sichern, hat es auch einige (mikrobiologische) Anforderungen :

ParameterTrinkwasser-Verordnung
Krankheitserregernicht nachweisbar
E. coli (fäkale Coliforme)in 100 ml nicht nachweisbar
Coliformein 100 ml nicht nachweisbar
Koloniezahlen
bei 37 °C
bei 22 °C
</= 100 / ml

Qualität an Trinkwasser

Wie gesagt wird die Qualität an Trinkwasser durch die Trinkwasser-Verordnung geregelt.
Anforderungen die Trinkwasser außerdem hat sind, dass es farb- und geruchslos sein muss und es muss ebenfalls einen erfischenden Geschmack besitzen. Klingt vielleicht zunächst etwas banal, ist aber überaus eigentlich überaus wichtig. Wer möchte gerne Wasser trinken, dass nach Chlorgas riecht ?
Un natürlich muss es frei von gesundheitsschädlichen Organismen sein (z.B. Bakterien), sowie frei von schädlichen chemischen Stoffen ( z.B. Arsen, Blei)

Aqua purificata

Aqua purificata (= gereinigtes Wasser) ist das für un in der Rezeptur am meisten verwendete Wasser. Gewonnen wird es aus Trinkwasser mit Hilfe bestimmtes Verfahren:

  • Destillation (1)
  • Demineralisation (2)
  • Umkehrosmose
  • oder andere geeignete Methoden
Destillation (1)

(= Aqua destillata)
Hier wird übliches Trinkwasser zum Sieden erhitzt, sodass sich Wasserdampf bildet. Zur Erinnerung in unserem Trinkwasser sind gelöste Salze und organische Verunreinigungen enthalten, diese gehen beim sieden nicht mit dem Wasserdampf mit.
Unser Wasserdampf wird anschießend abgekühlt, womit er wieder zu (destillierten) Wasser kondensiert. Somit erhalten wir nun „reines“ Wasser.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung:

CAVE:
Durch Überspritzen/-kriechen können immer noch sehr geringe Mengen an Fremdstoffen im Destillat enthalten sein.

Destiliertes Wasser kann für alle Reagenzien und alle Medikamente, außer Injektionen, Infusionen, Augentropfen und evtl. Nasentropfen verwendet werden.

Demineralisation (2)

Auch bei der Herstellung von demineralisierten Wasser brauchen wir zunächst ein mal Trinkwasser. Im Trinkwasser sind ja immer noch organische Verunreinigungen und anderen gelöste Stoffe enthalten. Hier konzentieren wir uns aber vor allem auf die gelösten Anionen und Kationen.

Unser Trinkwasser wird hier durch einen Ionenaustauscher geschickt und das ist eigentlich alles. So bekommt man destilliertes Wasser – in dem allerdings immer noch organische Verunreinigungen enthalten sind !

Doch wie funktioniert so ein Ionenaustauscher ?

Das Ziel unseres Ionenaustauscher ist ja die Entfernung der im Wasser gelösten Salze, den anorganischen Stoffen ! Das heißt also: Wasser mit Anionen, Kationen und organischen Stoffen geht in den Ionenaustauscher rein, und nur Wasser und organische Stoffe kommen wieder raus…

Beispiel für Ionen im Wasser:
Kationen: Mg2+; Na+; Ca2+; K+ …..
Anionen: Cl-; SO4^(2+); Co3^(2-); NO3-; HCO3-

Vorstellen könnt ihr euch einen Ionenaustauscher so:
Vielleicht kennt ihr diese Wasserfilterkannen für zu Hause. Darin sind Kartuschen mit kleinen Perlen/Steinchen, diese Filtern dann das Wasser. So ähnlich wie im inneren der Kartusche, sieht es auch im Ionenaustausche aus – die Kügelchen hier bestehen allerdings aus Kunstharz.

Kunstharz ist im Wasser unlöslich. Und das Kunstharz ist ein Makromolekül in dem viele austausch-aktive Gruppen vorhanden sind. Um die Ionen auszutauschen lässt man die Flüssigkeit, in unserem Fall das Wasser, durch ein Granulat auf Kunstharzaustauschern laufen. Durch das Granulat haben wir eine größere Oberfläche, ergo können auf dieser Oberfläche mehr Ionen ausgetauscht werden.

  1. Kationenaustauscher

Beim Kationen-Austausch besitzt der Kunstharz als austausch-aktive Gruppen freie Säurereste. Somit ist das Kunstharzgerüst mit H+ beladen.
Wir lassen jetzt unser Wasser, welches natürlich auch Kationen wie zum Beispiel Na+-Ionen besitzt, durch das Kunstharz fließen. Die an der Oberfläche des Kunstharz sitzenden Protonen werden durch Na+ ausgetauscht. Folglich ist das Na+ nun an das Kunstharz gebunden und in unserem Wasser ist statt Na+ nun H+ enthalten.

2. Anionenaustauscher

Der Anionen-Austausch läuft im Grunde genau so ab. Nur das hier halt Anionen und nicht Kationen ausgetauscht werden. An unserer Kunstharzoberfläche befinden sich nun OH- -Ionen. Wenn unser Wasser mit den beinhalteten Anionen, wie zum Beispiel Cl-, nun durch den Kunstharzaustauscher fließt, ersetzten sie diese Hydroxid-Ionen. Das Hydroxid bleibt dann im Wasser.

Getrenntbett-Verfahren

Beim Getrenntbett-Verfahren wird der Anionen- und Kationen-Austausch nacheinander durchlaufen.

Mischbett-Verfahren

Beim Mischbett-Verfahren werden beide Ionenaustauscher in einer Patrone durchgeführt.

Hier nochmal alles zum Ionenaustausch in einem anschaulichem Video:

Regeneration des Ionenaustauschers

Irgendwann erschöpfen die Ionenaustauscher-Kartuschen natürlich. Da durch die gelösten Ionen im Wasser, es erst wirklich Leitfähig wird, kann man die Erschöpfung der Ionenaustauscher-Kapazität durch die Feststellung der Leitfähigkeit überprüfen.
Sind keine Ionen vorhanden, ist unser Wasser folglich nicht leitfähig und alles ist noch im grünen Bereich. Sollte das Wasser doch Ionen enthalten und somit Leitfähig sein, rutscht die Anzeige in den orangenen bis hin zum roten Bereich.

Ist eine Ionenaustauscher-Patrone erschöpft, ist er kein Hexenwerk ihr Funktionalität wieder herzustellen. Das Kunstharz muss jediglich mit Natronlauge und/oder Salzsäure behandelt werden.

Demnach brauchen für den Anionenaustauscher Natronlauge, da diese OH- -Ionen liefert. Beim Kationenaustauscher benötigen Salzsäure, da diese H+ liefert.

Verwendung von Demineralisiertem Wasser

Demineralisiertes Wasser kann für die meisten Reagenzien verwendet werden und für alle Medikamente außer: Injektionen, Infusionen, Augentropfen und evtl. Nasentropfen.

CAVE
Demineralisiertes Wasser muss vor der Verwendung zur Herstellung von Arzneimitteln mind. 5 Minuten sprudelnd kochen !!! Und hinterher abgedeckt abgekühlt werden.
Das abgekochte Wasser ist dann maximal 24 Stunden verwendbar ( gilt auch für destilliertes Wasser)

Aqua ad iniectabilia

Wasser für Injektionszwecke wurde sterilisiert sein – und daher auch im Gegensatz zu den zwei vorherigen Wassern auch pyrogenfrei sein ! Pyrogenfrei bedeutet es ist frei von fieber-erzeugenden Stoffen, wie zum Beispiel Bakterien oder Virenbestandteile.

Hergestellt wird es in speziellen Destillationsapparaturen. Bei uns im Schullabor können wir es zum Beispiel mit Hilfe eines Muldestors herstellen.

Verwendet wird dieses Wasser für Injektionen, Infusionen, Augentropfen und evtl. Nasentropfen.

Das Mischungskreuz

Hallo ihr Lieben,

in der Schule habe ich festgestellt, dass viele das Mischungskreuz noch nicht verstehen. Daher möchte ich versuchen euch zu helfen.

Hier ist die Aufgabe:

Du möchtest 1000 ml 70%(V/V) Ethanol aus 96%(V/V) Ethanol herstellen! Wie viel Wasser und Ethanol 96% (V/V) wiegst Du ein.

Weitere Angaben:

70% (V/V) = 62,39% (m/m) 96% (V/V) = 93,84% (m/m) Dichte (70% Ethanol (V/V))=0,8856 g/ml

Wo findet ihr die weiteren Angaben?

Im Europäischen Arzneibuch: Ethanoltabelle

oder:

https://www.ptaheute.de/rezeptur/ethanolrechner/

Das Mischungkreuz funktioniert nur mit Massenprozenten (m/m) und nicht mit Volumenprozenten (V/V)!

So eine Aufgabe kommt in Chemiepraxis und Galenikpraxis häufiger vor 🙂

Schritt eins das Mischungskreuz
Von Teilen zu Massen

Schreibt doch gerne in die Kommentare ob ich euch helfen konnte – ich freue mich immer über Feedback 🙂

Eure Phytohexe

Kapseln !

Geliebt oder verhasst ? Heute wenden wir uns dem wichtigen Thema Kapseln zu !

Kapseln haben einige Vorteile:

  • gut lagerbar und lange Haltbarkeit
  • Überdeckung von unangenehmen Geschmack und Geruch
  • exakte Dosierung durch definierte Wirksoffmenge
  • durch Gestaltung der Hülle – hoher Wiedererkennungswert eines bestimmten Medikaments (möglich)
  • rasche und einfach Einnahme

Doch zuerst die Definition: Kapseln werden als feste, einzeldosierte Arzneiformen von unterschiedlicher Größe und Form definiert. Außerdem können ihre Hüllen hart oder weich sein. In den meisten Fällen sind Kapseln für die orale Anwendung bestimmt.
Siehe Monographie Ph. Eur.

Das Arzneibuch unterscheidet:
– Hartkapseln
– Weichkapseln
– Kapseln mit veränderter Wirkstofffreigabe
– magensaftresistente Kapseln
– Oblatenkapseln (obsolet = veraltet)

Applikationsarten

Auch wenn die meisten Kapseln oral eingenommen werden, gibt es noch weitere Arten der Applikation. Kapseln können als Rektal- oder Vaginalkapseln, wer hätte das gedacht, auch rektal oder vaginal angewendet werden. Diese Kapseln unterscheiden sich in Form und Größe von Peroralkapseln, außerdem werden sie im Arzneibuch unter den Zubereitungen zur rektalen bzw. vaginalen Anwendung geführt.
Desweiteren gibt es auch Zerbeißkapseln – Nach zerbeißen der Kapsel verteilt sich der Inhalt im Mund und der Wirkstoff wird über die Mundschleimhaut resorbiert.
Ein weiterer interessanter Fall sind „Inhalationskapseln“. Hier wird der Kapselinhalt mit Hilfe eines Medizinprodukts „eingeatmet“.

Kapselinhalt

Die Konsistenz des Kapselinhalts kann fest, flüssig oder pastenartig sein.
Wichtig ist hier darauf zu achten, dass der Inhalt nicht die Kapselhülle angreift !
Die Möglichkeiten sind hier aber sehr vielfältig ! Pulver, Granulate, Lösungen, etc.
Selbst Kapseln in Kapseln gibt es – wenn auch selten…
Und auch Kombinationen zwischen den verschiedenen Füllmitteln sind möglich.

Hilfsstoffe des Kapselinhalts sind zum Beispiel ein fester Füllstoff, ein öliges Lösungsmittel oder natürlich auch Fließverbesserer.

Kapselhüllen – Capsularum involucra

Lerrkapseln – Enveloppes de gélules (franz.) – Empty Capsules (engl.)

Kapselhüllen bestehen aus zwei vorgefertigten zylindrischen Teilen, welche jeweils an einem Ende offen und am anderen Ende mit einem halbkugelförmigen Boden abgeschlossen sind. So lautet zumindest die offizielle Definition. Ich kann mir zwar selbst nicht vorstellen, dass das auf alle Kapselhüllen 100% zutrifft ( erster Gedanke: Weichgelatine-Kapsel hergestellt durch „Tropf-Verfahren“), aber gut ! Ist immer schwierig Definitionen zu finden.
Einfache 0815-Kapseln sind nicht mit speziellen Hilfstoffen oder nach besonderen Verfahren hergestellt worden damit Freisetzungsgeschwindigkeit, er Zeitpunkt oder der Ort der Freisetzung des Wirkstoffs/ der Wirkstoffe gezielt verändert wird.

Die meisten Kapseln bestehen vorallem aus Gelatine. Wobei es inzwischen Allternativen aus Hypromellose(bzw. Hydroxidpropylmethylcellulose, HPMC), einem Cellulose-Derivat, gibt. Cellulose-Kapseln sind natürlich in der Regel vegan und damit auch hallal. Oblatenkapseln bestehen aber natürlich nicht aus Gelatine – hier ist das Material ganz klar die Oblate / Stärke. Diese sind heutzutage aber eher unüblich bis sogar obsolet.
Hilfsstoffe der Kapselhülle sind Galatine, Weichmacher (z.B Glycerol, Sorbitol), Tenside, Farbstoffe, Pigmente, Geschmackskorrigenzien, evtl. Süßstoff und Konservierungsmittel.

Die Gelatine

Gelatine ist ein Eiweiß tierischen Ursprungs. Ausgangsmaterial dafür sind meist Abfälle der der Fleischindustrie. Sie besteht im Grunde aus Schweineschwarten, Knochen, Knorpel & Häuten von Rind, Schwein, Fisch oder Geflügel.
Aus ihnen wird Kollagen ( = Gerüsteiweiß) gewonnen und zu kürzeren Eiweißketten abgebaut. Danach werden noch mehrere Reinigungsprozesse durchgeführt.
Gelatine hat hygroskopische ( = luftfeuchtigkeitsbindende/-ziehende) Eigenschaften. Außerdem quilt sie in Wasser und ist in Wärme sogar löslich.

Wie gesagt gibt es inzwischen auch alternative Kapseln die aus Cellulose gewonnen werden können. Wird nicht darauf geachtet, handelt es sich im Normalfall um Gelatine. Das liegt daran, dass leider die Herstellung solcher „Celluslosekapseln“ meist aufwendiger und somit auch teurer ist.
Es gibt aber inzwischen Apotheken die sich darauf langsam spezialisieren – diese findet man aber eher in Großstadten mit etwas Glück.

Während Gelatinekapseln schön glänzen, sind „Cellulose-Kapseln“ eher matt. Daran könnt ihr optisch am besten feststellen ob ich eine Hülle tierischen oder pflanzlichen Ursprungs in den Händen habt.

Der pH-Wert

Der pH-Wert ist der negativ dekadische Logarithmus der Hydronium-Ionen….

Hach, das habe ich mir so eingeprügelt, wenn du mich mitten in der Nacht wecken und fragen würdest: Was ist der Ph-Wert, könnte ich dir im Schlaf diesen Satz sagen!

Doch was bedeutet er ?

Negativ dekadische Logarithmus : negativ= minus, dekadisch=bedeutet 10 (deca für 10) und Logarithmus ist hier unsere Basis zum Exponenten. Der Exponent ist hier die Konzentration der Hydronium-Ionen also H3O+ Ionen.

An einem Beispiel wird es leichter:)

Wir haben die Konzentration (c) von einer Säure, nehmen wir HCL, c= 0.01mol/l, also 0.01 mol pro 1 Liter Salzsäure & davon wollen wir nun den pH-Wert errechnen.

Dann geben wir in unserem Taschenrechner ein:

-log (0.01) und kommen auf: 2 pH

0.01 ist das gleiche wie 10 -2 🙂

Der pH-Wert sagt uns wie sauer oder alkalisch eine Lösung ist.

Eine Säure hat einen pH-Wert 0-7

Eine Base (Lauge) hat einen pH-Wert 7-14

Um und bei einem pH von 7 ist es neutral.

Was können wir machen um den pH-Wert zu bestimmen?

Eine Möglichkeit ist es ihn zu berechnen.

Ein pH-Meter zu benutzen, der den Wert gleich anzeigt.

Oder mit pH-Papier (Lakmus) oder pH-Streifen welcher die Farbe verändert.

Ein Beispiel:)
Zitronensäure – pH ca 3
Leitungswasser pH 7
Mein Knirscherschienen Reiniger (in Lösung) pH 8

Habt ihr noch Fragen zum pH-Wert schreibt es gerne in die Kommentare:) Ich helfe euch gerne!

Eure Phytohexe

Stoffmengenkonzentration c: bedeutet wie viel mol einem Liter Lösung. c=mol/Liter.

Mol n: Ist die Stoffmenge eines Stoffes. Sie errechnet aus dem Gewicht eines Stoffes (also was man auf einer Waage gewogen hat) geteilt durch die molare Masse des Stoffes.

Molare Masse M: Die findet ihr auf dem Periodensystem:)

Der Handelnde und der Gegenspieler

Ok – was will die Chiara uns damit sagen? Was hat das mit Arzneimittelkunde zu tun?

… in der Pharmakologie nennt man es : Agonist und Antagonist. Der Handelnde und der Gegenspieler.

Der Agonist (altgriechisch agonistēs) der Handelnde

Ein Agonist löst eine Reaktion aus.

Ein Agonist kann ein Neurotransmitter, ein Hormon aber auch ein Botenstoff sein.

Ein Beispiel um es sich besser vorzustellen: Du hast eine Allergie (Artikel Allergie) und es wird der endogene Stoff Histamin (Agonist) ausgeschüttet welcher an den Histamin-Rezeptor andockt und eine Allergiereaktion wie Niesen auslöst.

Der Agonist passt genau zum Rezeptor (Schlüssel-Schloss-Prinzip)

Der Antagonist (altgriechisch antagōnistēs) der Gegenspieler

Ein Antagonist verhindert die Reaktion des Agonisten.

In unserem Beispiel Allergie wäre es der Wirkstoff Cetirizin (Histamin-Rezeptorblocker). Er blockiert den Histamin-Rezeptor und das Histamin kann nicht binden und somit kommt es zu keiner Allergiereaktion.

Nun gibt es aber unterschiedliche Antagonisten:

Kompetitiver Antagonist: Ist zum Beispiel Cetirzin, er hemmt zwar den Histamin Rezeptor aber nur solange wie seine Konzentration höher ist, als die Konzentration des Histamins. Der kompetitiver Antagonist konkurriert mit dem Agonisten um den gleichen Rezeptor.

Der Antagonist blockiert den Rezeptor- aber nur solange seine Konzentration höher ist und vom Agonisten wieder verdrängt wird

Nicht-kompetitiver Antagonist: verändert den Rezeptor, so dass ein Agonist keine oder geringere Wirkung am Rezeptor auslösen kann.

Der Rezeptor wurde so geändert das der Agonist nicht mehr reinpasst. Also auch keine Reaktion. Erhöhung der Konzentration des Agonisten bringt hier nichts:)

Ein Medikamentenbeispiel ist hier Ketamin welches an dem NDMA Rezeptor bindet (NMethyl-DAspartat)

So ihr Lieben 🙂

Ich hoffe, ihr findet das Thema genauso spannend wie ich 🙂 Eins der ersten Themen, die wir in Arzneimittelkunde hatten. Und was uns immer wieder im Unterricht begegnet ♡

Bis bald! Und folgt uns gerne auf PTAonTop auf Instagram:)

Eure Phytohexe

LADME -Modell

Das LADME-Model kurz erklärt:


Liberation:
= Freisetzung des Arzneistoffes (AS) aus der Arzneiform z.B. durch Zerfall einer Tablette im Magen-Darm-Trakt

  • schnellste Freisetzung ist erreicht, wenn Wirkstoff gelöst vorliegt z.B. Tropfen
  • Freisetzung des AS kann durch galenische Maßnahmen beeinflusst werden z.B. Retardtabletten (AS wird nach und nach freigesetzt)

Absorption/ Resorption:
= Aufnahme des (Arnzei)-Stoffes über die Schleimhaut oder Haut in die Blutbahn
→Barriere (Zellmembran) muss überwunden werden

  • Ausnahme: Injektion, Infusion direkt in das Blutgefäß
  • Bei perorale Gabe des AS ist die Absorption im Dünndarm.
  • Salben, Cremes und Wirkstoffpflaster über die Haut.

Distribution:

  • = Umverteilung des Stoffes vom Blut in Gewebe (z.B. Fettgewebe) und in Organe

Metabolism/ Biotransformation/ Verstoffwechselung:
= Umbau bzw. Abbau des Stoffes in der Leber

  • chemische Struktur des WS wird so verändert, dass dieser wasserlöslicher wird und später über den Harn ausgeschieden werden kann
  • vor allem in der Leber durch Enzyme
  • wichtigstes Enzymsystem: Familie der CYP-450-Enzyme (Cytochrom P 450) z.B. CYP3A4, CYP2C9, CYP1A2, CYP2D6, CYP2C19
  • beim Abbau entstehende Metabolite sind in der Regel – aber nicht immer – unwirksam

Elimination:
= Ausscheidung des Stoffes

  • renal: über die Niere mit dem Harn (wichtigster und häufigster Weg)
  • intestinal: über den Dickdarm mit dem Fäzes
  • biliär: mit der Galle in den Dickdarm
  • pulmonal: Über die Lunge mit der Atemluft
  • Über die Muttermilch

Wie ihr seht das LADME – Modell setzt sich aus den Anfangsbuchstaben zusammen 🙂

Bis bald

Eure Phytohexe 🙂

Als PTA Schülerin in der Coronazeit

Hallo ihr Lieben,

Ich wollte euch gerne von meinem freiwilligen Praktikum in der Corona Zeit erzählen.

Am 13.März.2020 bekamen wir Schüler die Nachricht: Unsere Schule wird aufgrund der Corona-Krise geschlossen.

Ich dachte zuerst: ok, 1-2 Wochen vielleicht.

Dann kann ich meine Famulatur einfach vorziehen und habe die Osterferien Zeit mit meinem Freund weg zu fahren. . .

Aber die Corona-Krise hat uns in Deutschland hart getroffen… und mich auch…

Ich habe neben der Ausbildung schon immer 15-20 Stunden gearbeitet -im Einzelhandel – um meine Schule finanzieren zu können. Am 17 März habe ich meine Kündigung erhalten- da ich leider noch in der Probezeit war. Ich mache meinem alten Arbeitgeber gar keinen Vorwurf. Jeder musste und muss in dieser Zeit schauen wie er überlebt.

Dann kam der nächste Schock: Keine Famulatur (und laut PTA Gesetz ist es Pflicht ein Famulatur von insgesamt 4 Wochen zu machen, die wir in unseren Ferien abzuleisten haben).

Das hieß für mich: Praktikum streichen. .. 😪😭

Die Schule hat uns nebenbei immer mit Unterrichtsmaterialen versorgt aber dennoch musste ich eine Menge Eigenmotivation aufbringen.

Langsam verlor ich den Praxisbezug … und ich stellte mir die Fragen:

•Warum mache ich das hier ?

•Wo kann ich arbeiten?

•Wie kann ich mich sinnvoll einbringen ?

•Wie kann ich Menschen unterstützen?

•Und wie kann ich mich selber wieder nützlich fühlen ?

Also fing ich an Bewerbungen zu schreiben: an die umliegenden Apotheken, ob sie nicht jemanden zum Regale einräumen oder in der Rezeptur bräuchten.

Und….

Ja ! Die Ulen Apotheke in Neugraben (in der Nähe von Harburg) hat JA gesagt. Sie bräuchten jemanden für:

•Botendienste

•Medikamente verräumen

•Und in der Rezeptur

Also fing vor 4 Wochen mein erster Arbeitstag an – 3 x die Woche in der Apotheke – wohlgemerkt ich bin im ersten Lehrjahr. Aber ich finde, wenn man Interesse hat, etwas will und sich einbringt – dann kann man wirklich alles schaffen!!!

Und was soll ich sagen?

Dieses Praktikum hat mir nochmal gezeigt warum ich die Ausbildung mache. Warum ich meine Festanstellung aufgegeben und mich finanziell von meinem Freund abhängig gemacht habe.

Weil es mein Traumberuf ist!

Morgens habe ich die Rezepte aus den Arztpraxen geholt und auch diese mit Arzneimittel oder Medizinprodukte beliefert.

Ich fand den Austausch zwischen den Arztpraxen, den Pflegeheimen und der Apotheke einfach großartig und war stolz ein Bindeglied gewesen zu sein.

Gegen Mittag kamen Arzneimittel an und ich habe diese alphabetisch sortiert oder in die Sichtwahl verräumt.

Jedes Mal wenn ich ein Medikament in der Hand hatte, welches wir in der Ausbildung schon besprochen hatten habe ich mich wie ein Honigkuchenpferd gefreut.

Und wenn ich etwas nicht wusste, habe ich einfach die netten PTA’s oder Apotheker*innen gefragt und immer eine ausführlich Antwort erhalten.

Da ich ein sehr aufgeschlossener Mensch bin und gewissenhaft arbeite durfte ich gleich am zweiten Tag in die Rezeptur! Und Kapseln herstellen – natürlich unter Aufsicht.

Ich habe an einem Tag mal 500 Kapseln hergestellt – hach das war eine Arbeit. Aber dafür werde ich jetzt in der Schule glänzen können 😄🥳 …

100 Kapseln

Aber auch Salben, Cremes und Lösungen habe ich hergestellt und ich muss euch sagen: wenn ihr das erste Mal eine Rezeptur für einen Menschen herstellt ist es ein ganz besonderes Gefühl! Man macht diese Rezeptur für einen Menschen der euch braucht !!!! ♡

Topitec für Cremes und Salben

Ist das nicht großartig? Wir als PTA’s helfen Menschen ! Und sind so wichtig in der Apotheke. ♡

Vorallem in der Beratung!!! Ich durfte bei so vielen Beratungsgesprächen zuhören und war jedes Mal fasziniert wie viel Fachwissen wir PTA’s und Apotheker*innen und welche wichtige Aufgabe wir haben: Die Bevölkerung ordnungsgemäß mit Arzneimittel zu versorgen. (Apothekenbetriebsordnung)

Ich bin dem Herrn Blaich und meinen lieben Kollegen so dankbar ! ♡

Für das Vertrauen, die Chance und Freundlichkeit die sie mir in den paar Wochen entgegen gebracht haben !

Der Beruf PTA ist sowas von Systemtrelevant!

Ich freue mich tierisch, das die Schule bei uns in Niedersachen am 25.Mai wieder los geht! Und ich daran feilen kann eine gute PTA zu werden !!!

Das Praktikum wird nicht angerechnet – aber ich habe einen Platz im Herbst bei der Ulen Apotheke und freue mich auf ein Wiedersehen!!!

Habt ihr schon ein Praktikum in der Apotheke gemacht ? Was hat euch besonders Spaß gebracht? Ich hoffe ihr seid alle wieder in der Schule und lernt fleißig.

Ich freue mich über ein Kommentar 🙂

Eure Phytohexe

Der Wiesen-Salbei

Was blüht denn da in wunderbarem Violett – ?

Nein, es sind keine Veilchen…..

Salvia pratensis, der Wiesen-Salbei gehört zu der Pflanzenfamilie der Lamiacae ( Lippenblütlern).

Die Staude wird 20 bis 60 cm hoch und trägt dunkelblaue bis violettblaue Blüten. Selten gibt es weiße Blüten. Die Blüte an sich ist 1,5 – 2,5 cm lang und hat eine breite sichelförmige Oberlippe. Sie besitzt eine grundständige Blattrosette mit langen lanzettlich gekerbten Blättern. Am aufrechten, vierkantigen Stängel finden sich kaum Blätter, höchstens 1 – 3 Blattpaare. Diese riechen beim zerreiben aromatisch !

Die Blütezeit des Wiesen-Salbei beginnt schon im Frühsommer. Offiziell kann die Pflanze von Mai bis August blühen.

Wiesen-Salbei auf unseren Wegrändern
gesunder, bunter, sommerlicher Salat mit Wiesen-Salbei Blüten und Blättern

Hmmmmmm…. Lecker ! und was für eine Augenweide !

Die wunderschönen, leuchtend violetten Blüten sind eine tolle aromatische Dekoration für Speißen und Salate. Das Auge isst immer mit !
Sie können aber auch in Öl und Essig ausgezogen werden oder zu einem ganz einfachen Zuckersirup weiterverarbeitet werden.
Blätter und junge Triebe dieser Wildpflanze stellen eine wunderbar würzige und gesunde Beigabe dar ! Sie können prima für Salate, Suppen, Saucen oder Kräuterbutter verwendet werden. Und natürlich auch für Wildgemüsegerichte !
Die getrockneten Blätter kann man zudem einfach mit heißem Wasser begießen, ziehen lasse und als Tee genießen.

Der Wald-Apotheker sagt ….

Im Gegensatz zum Echten Salbei (Salvia officialins) besitzt der Wiesen-Salbei weniger ätherisches Öl.
Das macht ihn in seiner Heilwirkung leider etwas schwächer. Trotzdem besitzt er entzündungshemmende und adstringierende Eigenschaften. Er kann gegen Entzündungen von Zahnfleisch, Blasen im Mund und Rachenraum verwendet werden. Aber auch Erkältungen, Heiserkeit, Magen-Darm- und Menstruations-Beschwerden und übermäßige Schweißabsonderungen kann die Pflanze helfen.
Der Wiesen-Salbei kann als Tee oder äußerlich als Gurgellösung, als Badezusatz oder Wundumschlag benutzt werden.
Als Räucherpflanze fördert sie angeblich die Konzentration und wirkt reinigend und desinfizierend.

Blüten des Wiesen-Salbei

FUN FACT

Schon einmal eine Hummel in diese Art von Blüte kriechen sehen ? Sieht aus als würde sie gerade so aber perfekt reinpassen !
Tatsächlich handelt es sich dabei um einen besonderen Mechanismus der Pflanze. Wenn die Blüten Besuch von Insekten bekommen, lösen sie ihn aus ! Beide Staubblätter der Blüte klappen dabei auf den Rücken des Insekts herab. Auf diese Weiße pudern sie das Insekt richtig schön ein. Schön eingestaubt begebt sich das Insekt zur nächsten Blüte und streift dort seine Pollen der Narbe ab.
Vor allem sind es die Hummeln, die diesen Mechanismus auslösen können. Vielleicht sieht es deshalb bei ihnen so gemütlich aus !

Hummel an Katzenminze

Redox-Reaktionen

Ein beliebtes Thema bei den Lehrern die Redoxreaktion – aber viele Schüler tun sich dabei schwer. Doch was ist dieses Redox?

Eine Redoxreaktion ist eine Reaktion wo eine Oxidation und eine Reduktion gleichzeitig ablaufen…. ok… was?

Also ganz von vorne! Ersteinmal schauen wir uns an was eine Oxidation und eine Reduktion ist.

Eine Oxidation ist ganz einfach eine Elektronenabgabe! Das bedeutet ein Atom gibt Elektronen ab, die Oxidationszahl wird positiver. Elektronen sind negativ geladene Teilchen. (mehr dazu wird es unter: Was sind Elementarteilchen geben)

Eine Reduktion ist eine Elektronenaufnahme – das heißt ein Atom nimmt Elektronen auf. Die Oxidationszahl wird negativer.

Was ist eine Oxidationszahl?
Die Oxidationszahl gibt die Ionenladung eines Atoms an.

Für die Ermittlung der Oxidationszahl gibt es ein paar Regeln… die ihr leider auswendig lernen müsst…

1) Elemente besitzen immer die Oxidationszahl null (zb.: O2, N2, Na, Mg ….)

2) Flour ein Halogen, besitzt immer in Verbindungen die Oxidationszahl -| (römische Zahl für 1) Außernahme: als Element F2 – Regel 1.

3)Sauerstoff erhält in allen Verbindungen die Oxidationszahl -|| Ausnahmen: Als Element O2, in Peroxiden H2O2 (Oxidationszahl -|) und in Verbindung mit Flour erhält der Sauerstoff die Oxidationszahl +II

4)Metalle haben positive Oxidationszahlen – meist stimmen sie mit der Hauptgruppennummer überein. Metalle findet ihr in der ersten und zweiten Hauptgruppe. (Und den Nebengruppen)

5) Wasserstoff erhält in Verbindungen meist die Oxidationszahl +I. Ausnahmen: Als Element H2 oder in Metallhydriden bps. NaH, da hat das Natrium die postive Oxidationszahl +I – was in Regel Nummer 4 steht – und der Wasserstoff dann eine von -I .

Und noch ein wichtiger Grundsatz bevor ich euch alles an Beispielen zeige: Die Summe der Oxidationszahlen aller Atome einer Verbindung, entspricht dessen Gesamtladung. Was bedeutet das?

-> Bei ungeladenen Verbindung z.B.: MgCl2, muss die Summe der Oxidationsladung null ergeben. Also Mg hat +II und Cl -I, ist aber zwei mal vorhanden also ist es insgesamt ungeladen (Cl2) .

->Bei einatomigen Ionen ist die Oxidationszahl genau der Ladung bsp.: Na1+ hat die Oxidationszahl +I

-> Mehratomige Ionen haben die Ladung entsprechend ihrer Summe an Oxidationszahlen Bsp.: CrO42-, hat die Oxidationszahl zusammen -II, Chrom hat + VI (also 6) und Sauerstoff -II (also2) 6-2=4. daher ist die Ladung auch -2 und die Oxidationszahl auch minus 2.

Oxidation & Reduktion

Und nun geht es ans Aufstellen der Reaktionsgleichung ?

Elementares Magnesium und Chlorgas reagieren zu Magensiumchlorid:

Mg + Cl2 ____> 2 MgCl2

Schauen wir uns die Eduktseite an (links vom Reaktionspfeil)!
Magnesium und Chlor stehen hier als Elemente da, dass heißt sie besitzen die Oxidationszahl von Null (siehe Regel 1). Ihr findet Magnesium in der zweiten Hauptgruppe und Chlor in der 7 Hauptgruppe – Chlor kommt als Element immer zweifach in einer Verbindung vor, so geht es allen in der 7 Hauptgruppe, wenn sie als Element vorliegen, genauso wie Sauerstoff und Stickstoff….

Mg 0 + Cl2 0 ____> 2 MgCl2

Schauen wir uns die Produkte an (rechts vom Reaktionspfeil) dort steht Magnesiumchlorid, Magnesium hat eine Oxidationszahl nun von +II und Chlor von -I

Mg + Cl2 ____> 2 Mg +II Cl2-I

Ok… wie komme ich nun darauf? Magnesium ist ein Metall und steht in der 2 Hauptgruppe, die Regel 4 besagt, das diese Atome immer postiv geladen sind und meist ihrer Hauptgruppe entsprechen. Und wie mache ich das bei Chlor? Jetzt wird es spannend – Chlor nimmt die Elektronen auf die Magnesium abgibt – Magnesium gibt 2 Elektronen ab – daher wird die Oxidationszahl um 2 postiver. Chlor nimmt also 2 Elektronen auf und geht von O auf -II – aber halt warum steht da nur -I? Das liegt daran, das Chlor zwei mal vorkommt und somit jeder ein Elektron aufnimmt.

Einmal zur Veranschaulichung:

Mg 0 ____> Mg +II + 2e- , also Elektronenabgabe. Oxidation

Cl2 0 + 2e- _____> Cl2 -I, also Elektronenaufgabe. Reduktion

Und bevor wir mit schwierigen Aufgaben beginnen, klären wir nochmal was die Wörter: Oxidationsmittel und Reduktionsmittel bedeuten.

Oxidationsmittel: Ein Oxidationsmittel ist ein Teilchen, das Elektronen aufnimmt. Das heißt im unserem Beispiel wäre es Chlor.

Reduktionsmittel: Ein Reduktionsmittel ist ein Teilchen, das Elektronen abgibt. Also in unserem Beispiel wäre es Magnesium.

Jetzt wird es spannend:

So und nun nehmen wir Aufgaben wo wir mit H3o+ oder OH und H20 ausgleichen müssen. Keine Angst Step by Step bekommen wir das hin.

Das ist unsere Gleichung: ClO3 + SO2→ SO42- + Cl (sauer) Das heißt wir gleichen es mit H30+ Ionen und Wasser aus, wenn da alkalisch stehen würde , würden wir mit OH ausgleichen)

Also zunächst suchen wir und die Oxidationszahlen raus und überlegen uns was Oxidiert und was Reduziert.

Oxidation: S +IV ____> S +VI + 2e-

Ok – Schauen wir uns die Produktseite an: Sauerstoff hat die Oxidationszahl von -II (siehe Regel 3) und kommt 2 mal vor – das seht ihr an der tiefgestellten 2. Das bedeutet insgesamt ist die Oxidationszahl von Sauerstoff -IV . Schwefel hat demnach eine Oxidationszahl von + IV , da das Molekül ungeladen ist.

Und jetzt die Eduktseite, dort ist Sauerstoff 4 mal vorhanden also eine Oxidationszahl von insgesamt -VII und Schwefel dann von +VI – warum nicht +VII? Da diese Verbindung zweifach negativ geladen ist, das erkennt ihr an der hochgestellten 2- . Erinnern wir uns: Mehratomige Ionen haben die Ladung entsprechend ihrer Summe an Oxidationszahlen, von Sauerstoff wissen wir aufgrund der Regeln wie die Oxidationszahl ist, von dem Schwefel nicht – daher rechnen wir diese aus und da die Verbindung zweifach negativ geladen ist, ist die Oxidationszahl nur + VI.

Reduktion: Cl+V+ 6 e- ____> Cl-I

Gleiche Prinzip wie oben schon erklärt. Also ClO3, Sauerstoff hat insgesamt die Oxidationszahl -VI, Chlor +V, da die Verbindung einmal negativ geladen ist. Cl ist einfach negativ geladen.

So nun kommt das Ausgleichen ins Spiel, denn wir ihr seht haben wir einmal 2 Elektronen die abgegeben werden aber 6 elektronen die aufgenommen werden – und das können wir so nicht stehen lassen, wo sollen denn die fehlenden 4 Elektronen herkommen und was ist mit dem Atomausgleich?

Atomausgleich (mit H30+ und Wasser):

Oxidation: 6 H20 + SO2 ___> So42+ 2 e- + 4 H30+ – Die Reaktion muss ausgeglichen sein, also auf jeder Seite des Reaktionspfeiles müssen genauso viele Sauerstoffatome sein und Wasserstoff sowie Schwefelatome stehen. Und die gesamt Ladung auf jeder Seite null betragen, deshalb wird auf der Seite wo die abgegeben Elektronen stehen das H30+ hinzugefügt.

Reduktion: ClO3-+ 6 e- + 6 H3O+ ___> Cl +9 H2O

Jetzt haben wir das mit den Elektronen noch nicht geklärt – darum nun der Elektronenausgleich:

Wir nehmen die Oxidation x3 und die Reduktion x 1 – warum? Uns fehlen bei der Oxidation noch 4 Elektronen um 6 Elektronen zu erhalten und 2 x 3 = 6 🙂

Oxidation: 6 H20 + SO2 ___> So42 + 2 e- + 4 H30+ I x3

18H20 + 3SO2 ___> 3So42- + 6 e- + 12H30+

Reduktion: ClO3-+ 6 e- + 6 H3O+ ___> Cl +9 H2O I x1 bleibt so 🙂

Ok und nun schreiben wir die gesammte Gleichung auf und erhalten:

18H2O + 3 SO2+ ClO3 + 6e-+ 6H3O +→ 3 SO42- + 6e– + 12H3O+ + Cl + 9H2O

Ganz schön unübersichtlich oder? Nun kommt der Spaß – wir dürfen kürzen!!! Dazu schaut man sich die Eduktseite und die Produktseite an – und auch nur so darf man kürzen!

Und dann schaut unsere Reaktionsgleichung so aus (Ich habe makiert, was ich gekürzt habe)

9 H2O + 3 SO2+ ClO3→ 3 SO42- + 6 H3O+ + Cl

Schwups und nun sind wir fertig! Also die Aufgabe… 🙂

Also ihr lieben, ich hoffe ich konnte euch ein wenig die Welt der Redoxreaktion erklären!

Bei Fragen gerne melden 🙂

Eure Phytohexe

Allergie

Hatschiie… und es geht wieder los – mein Freund niest, hat geschwollene Augen und seine Nase läuft…. Jedes Jahr um die gleiche Zeit laufe ich zur Apotheke und hole Cetirizin, Nasenspray und Taschentücher – das sind seine neuen täglichen Begleiter um den Tag zu überstehen.

Aber warum eigentlich?

Wieso, wenn alles gerade anfängt zu blühen, die Temperaturen wärmer werden und Frühlingsgefühle hochkommen?

Die Antwort: Pollen – oder auch Blütenstaub gennant.

Also an sich etwas ganz harmloses, denn mir geht es super – ich bewege mich draußen und atme die frische Luft ein.

Genau, das ist eine Allergie: Eine überschießende Immunreaktion auf harmlose Substanzen. Statt das Allergen zu ignorieren löst der Körper eine Entzündungsreaktion aus.

Wie zum Beispiel auf Pollen aber es gibt auch: Nahrungsmittelallergien, Tierhaarallergie, Sonnenallergien, Milbenallergie. Vielleicht ist euer Ohr mal ganz rot und dick geworden als ihr euch neue Ohrringe reingemacht habe? Das könnte auf eine Nikelallergie hindeuten, die sogennante Kontaktallergie. Oder ihr kennt jemanden der panische Angst vor Bienen hat, denn wenn ihn eine sticht bekommt er Atemnot und muss ins Krankenhaus…. Woran man häufig nicht denkt sind Allergien gegen bestimmte Arzneimittel – zum Beispiel Penicillin – ein Antibitotika.

Es gibt auch noch sogenannte Kreuzallergien, wenn man gegen Latex allergisch ist, kann man häufig keine Bananen und Kiwis essen. Häh?! Warum das? Die Allergene sehen für den Körper gleich aus und der Körper reagiert mit einer allergischen Reaktion.

Wie entsteht so eine Allergie?

Wir gehen heute auf die Typ 1 Allergie ein, die häufigste Allergieart.

Typ 1 Allergie am Beispiel Pollen:

Du gehst ganz normal raus und hast den ersten Kontakt mit den Pollen – sagen wir mal Birke. Die Allergene (Birkenpollen) dringen nun durch deine (Schleim)haut ein und gelangen so in deinen Körper. Dein Körper entwickelt sogenannte Immunglobuline E (Ige) gegen das Allergen. Die Antikörper (IgE) binden an sogenannte Mastzellen. Beim ersten Kontakt mit dem Allergen hast du noch keine Symptome, das bedeutet dein Körper lernt erstmal das Allergen kennen, dies wird auch Sensibiliserung gennant.

Dann kommt der zweite Kontakt – die Birkenpollen kommen wieder im Körper an, doch dieses Mal reagiert dein Körper mit niesen, schnupfen und tränenden Augen. Was hat sich verändert? Die Allergene binden diesmal an die IgE’s auf der Oberfläche der Mastzelle, welche Entzündungsmediatoren freisetzt wie zum Beispiel Histamin.

Neben den Symptomen wie Juckreiz, Atemnot, Husten, Schmerzen oder Schwellungen gibt es noch den anaphylaktischen Schock – ich habe es einmal als Sanitäter erlebt wie jemand auf ein Medikament mit so einem drastischen Blutdruckabfall und Kreislaufversagen reagierte, das er sofort ins Krankenhaus fahren musste. Zum Glück war ein Notarzt da.

Was für Therapiemöglichkeiten gibt es?

  1. Hyposensibilisierung: Da wird der Körper durch wiederholte subkutane Applikation (also unter die Haut) an das Allergen gewöhnt. Nachteil: Es dauert mehrere Jahre.
  2. Mastzellenstabilisatoren: Der Wirkstoff heißt Cromoglicinsäure, hier wird die Membran der Mastzelle stabilsiert, wodurch die Histaminfreisetzung verhindert wird.
  3. Glucocorticoide: Wirkstoff: antiphlogistisch (entzündungshemmend), abschwellend, immunsupressiv (immununterdrückend) Die Wirkstoffe heißen: Beclometason und Mometason. Vielleicht ist es euch schonmal als Creme über den Weg gelaufen? Hydrocortisoncreme 🙂
  4. H1-Antihistaminika: kompetitiver Antagonist am H1-Rezeptor, sie verhindern das Histamin an den Rezeptor binden kann und die Allergie auslöst. Wirkstoffe sind: 1. Generation – Dimetiden 2.Generation – Ceterizin, Loratadin, 3. Geneneration – Levocetrizin ; Desloratadin. Mein Freund nimmt Ceterizin, da diese nicht so müde machen, die 2 & 3 Generation machen nicht so stark müde wie die 1 Generation.

Nicht medikamentöse Maßnahmen:

Allergienkontakt vermeiden: Reduktion der Pollenbelastung, Kleidung wechseln, vor dem zu Bettgehen duschen und Zink zur Stabilisierung des Immunsystems.

Eine Allergie kann beim Arzt festgestellt werden, bei dem Test werden Allergene durch Reiben, Stechen, Ritzen oder Spritzen am Unterarm in die Haut gebracht und dann ausgewertet. Bei einer allergischen Reaktion gibt es dann eine Quaddelbildung.

Wusstet ihr, das Kaiserschnittkinder ein erhöhtes Riskio haben Allergien zu entwickeln, als Vaginalgeburten? Die Mutter gibt durch die Vaginalschleimhaut ihrem Baby viele Bakterien mit und stärkt somit das Immunsystem.

So ihr Lieben, ich hoffe, euch hat der Artikel gefallen 🙂

Wer von euch hat das Pech auch an einer Allergie zu leiden und habt ihr noch Tipps für andere? Schreibt es gerne in die Kommentare und folgt uns auf Instagram.

Eure Phytohexe

Allergene= Allergie auslösende Substanzen.
Mastzelle= Reift im Knochenmark ran, gehört zu den Leukozyten.
Immunglobuline =Abwehrstoff des Immunsystems, Antikörper.
kompetativer H1-Antagonist= bindet an Histamin-Rezeptor verhindert das die Allergie auslöst, aber wenn mehr Allergene als bsp. Ceterzin vorliegt im Blut kommt es wieder zu Allergiesymptomen.